Stellungnahme: Akute Bedrohung der Digitalisierung im Gesundheitswesen durch Kostenentwicklung von Microsoft-Lizenzen

Berlin, 8. November 2023 – Microsoft-Produkte haben zweifellos viele Vorteile, darunter vor allem die Benutzerfreundlichkeit und Integrationsfähigkeit. Doch sehen wir ab 2025/2026 drastische Herausforderungen bezüglich der Kostenstruktur von Microsoft-Lizenzen, insbesondere für Einrichtungen des Gesundheitswesens. In diesem Zeitraum plant Microsoft eine Änderung seiner Produktstrategie für Office-Produkte, bei der der Support für herkömmliche Lizenzmodelle eingestellt und Office-Abonnements pro Nutzenden obligatorisch werden. Dies bedeutet, dass perspektivisch alle Mitarbeitenden einer Gesundheitseinrichtung, die Office-Produkte nutzen, eine solche Abonnement-Lizenz benötigen werden. Die finanziellen Auswirkungen dieser Änderungen für Einrichtungen des Gesundheitswesens mit tausenden Mitarbeitenden sind erheblich.

Hierzu ein Beispiel eines Krankenhausträgers mit insgesamt 10.000 Beschäftigten:
Bisher wurde eine Microsoft-Office-Lizenz pro Arbeitsplatz erworben, die in der Regel bis zu 10 Jahre genutzt wurde. An diesem Arbeitsplatz konnten mehrere Mitarbeitende mit einer Lizenz arbeiten. Die Lizenzkosten des Trägers belaufen sich in diesem Beispiel auf ca. 130.000 Euro, heruntergebrochen auf ein Nutzungsjahr. Ab 2025/2026 müssten jedoch bei einer gleichbleibenden Office-Nutzung jährlich etwa 2,1 Millionen Euro Lizenzkosten gezahlt werden, was einen Großteil des vorhandenen IT-Budgets ausmachen und somit notwendige Investitionen in Sicherheit und Innovation verhindern würde.

Diese Situation gefährdet klar die aktuellen Digitalisierungsbemühungen deutscher Krankenhäuser, die durch das Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) mit erheblichen öffentlichen Geldern gefördert werden. Darüber hinaus ist mit Auswirkungen auf den gesamten Gesundheitssektor zu rechnen, der in Deutschland rund 6 Millionen Menschen beschäftigt (Statistisches Bundesamt, 2023).

Es ist offensichtlich, dass eine zeitnahe Lösung für diese Problematik benötigt wird. Eine Möglichkeit könnte das „Microsoft Non-Profit-Programm" sein, das gemeinnützigen Organisationen weiterhin attraktive Konditionen bietet. Leider sind Krankenhäuser und ähnliche Einrichtungen bisher explizit ausgeschlossen. Eine weitere Option wäre der Abschluss von neuen Rahmenvereinbarungen, um finanzierbare Lizenzbedingungen für Krankenhäuser zu schaffen.

Für die Gewährleistung finanzierbarer Lösungen seitens Microsoft ist eine breite Basis und politische Unterstützung dringend notwendig. Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist von großer gesellschaftlicher Bedeutung. Eine gesunde Balance zwischen dieser gesellschaftlichen Verantwortung und brechtigten wirtschaftlichen Interessen ist somit unerlässlich, um die Digitalisierung voranzutreiben und gleichzeitig die Sicherheit in einer systemrelevanten Branche zu gewährleisten.

 

Über digital health transformation eG (dht)
Die dht ist ein Zusammenschluss von Krankenhäusern und Krankenhausgruppen, die die Herausforderung der Digitalisierung des Gesundheitswesens gemeinsam meistern wollen. Ziel der Gesellschaft ist es, Potenziale in der Versorgung zu erkennen, potenzielle Partnerschaften zu identifizieren und Innovationsprojekte voranzutreiben.